Manager-Gehälter: INSM-Berater Oswald Metzger im Wall Street Journal

INSM-Berater Oswald Metzger schrieb im Wall Street Journal über Manager-Gehälter

In einem Aufsatz der Zeitung The Wall Street Journal nimmt Oswald Metzger, Berater der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) Stellung zur Debatte um Manager Gehälter:

German Version

Sozialneid

Von Oswald Metzger

Deutschlands bürgerliche Parteien haben in den kommenden Wochen und Monaten wichtige Landtagswahlen vor sich. Und sie sehen sich neuer Konkurrenz durch die Linkspartei ausgesetzt, die aus ostdeutschen Post-Kommunisten und frustrierten Sozialdemokraten zusammengesetzt ist. Deren sozialistischer Populismus erweist sich als so ansteckend, dass sogar etablierte Parteien an Gefühle des Sozialneids appellieren, um Wähler anzuziehen. Einige Christ- und Sozialdemokraten rufen nun unisono nach staatlicher Begrenzung für „exzessive“ Managergehälter.

Das aktuelle Manager-Bashing erinnert mich an die „Heuschrecken“-Debatte des Jahres 2005. Heuschrecken – mit dieser abwertenden Tiermetapher hatten einige Sozialdemokraten im Wahlkampf Private Equity-Gesellschaften belegt und den angeblichen Ausverkauf Deutschlands beklagt. Die aktuelle Debatte um überzogene Managergehälter bedient erneut antikapitalistische Klischees und das Vorurteil, dass Wirtschaft generell verantwortungslos agiere.

Sie betrifft weniger als 100 Top-Manager. Und deshalb mögen Parteitaktiker glauben, dass sie damit ein geringes Risiko gehen. Soweit es um verlorene Managerstimmen geht, mag das wahr sein. Aber für das Land insgesamt ist diese Debatte gefährlich. Sie bewegt Deutschland nach links und kann dafür sorgen, dass sich die Ablehnung gegen Reformen zu einem Zeitpunkt verstärken kann, wo der weltweite Wettbewerb es nötig machen kann, Abgaben zu senken oder weitere Barrieren auf dem Arbeitsmarkt einzureißen, damit Unternehmen hierzulande besser arbeiten und neue Arbeitsplätze schaffen können.

Unabhängig von der Frage, ob Managergehälter in Einzelfällen tatsächlich „exzessiv“ sind: Die Debatte stigmatisiert eine ganze Berufsgruppe, die für Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg eine Schlüsselfunktion hat. Die Chefs der 30 DAX-Konzerne verdienten im Jahr 2006 nach einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz durchschnittlich 3,42 Millionen Euro. Doch in deutschen Chefetagen gehört nur eine verschwindend kleine Zahl an Vorständen zu diesen Spitzenverdienern! Nichtsdestotrotz werden alle Manager pauschal der Geldgier bezichtigt. Dabei verdienen sie deutlich weniger. Über 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind mittelständisch. Nach Daten der Unternehmensberatung Kienbaum verdienen Manager dort im Durchschnitt 260 000 Euro im Jahr, in kleineren Unternehmen 160 000 Euro.

Auch solche Gehälter mögen noch Neid auslösen. Aber wir nähern uns hier schon dem Einkommensniveau jener Politiker, die Managergehälter professionell aufgeregt pauschal »unmoralisch« finden.

Da in der aktuellen Debatte auch immer wieder von Manager-Abfindungen die Rede ist, sprechen wir doch einmal über ein Thema, das auch ich immer wieder öffentlich aufgegriffen habe: die Altersversorgung von Politikern. Bundesminister sind bereits nach 21 Monaten pensionsberechtigt. Die Spanne reicht nach Zahlen des Bundes der Steuerzahler bis zu einem Höchstsatz von 9168 Euro (nach 22 Jahren). Dafür müsste ein Durchschnittsverdiener laut Steuerzahler-Bund 352 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen!

Zu Recht können ein Minister und sicher auch ein Bundestagsabgeordneter die Frage stellen, ob jeder Durchschnittsverdiener seinen Job machen könnte. Zu Recht muss aber auch die Frage gestellt werden, ob ein Topmanager, der wie Wendelin Wiedeking, der den in Schwierigkeiten geratenen Autobauer Porsche wieder auf die Straße des Erfolges geführt hat, mit einem Durchschnittsverdiener verglichen werden kann. Dem Unternehmen geht es inzwischen so gut geht, dass auch die Frauen und Männer am Band im vergangenen Jahr 5200 Euro Erfolgsprämie bekommen haben. Und was sagen Wiedekings Mitarbeiter? Die gönnen ihrem Chef offenbar die Gage, weil es auch ihnen gut mit ihm geht. Der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück im letzten Monat: „Wir hatten schon einmal sehr günstige Vorstände. Die waren so günstig, dass wir fast Pleite gegangen wären.“

Wenn nur die politische Klasse in Berlin solches Vertrauen in marktwirtschaftliche Anreize hätte. Doch wie viel mehr darf ein Vorstand bekommen als ein Sachbearbeiter? Wollen wir einen neuen Staatsrat einrichten, der das festlegt? Was wäre, wenn dieser Staatsrat entschiede, dass ein Vorstand nicht mehr als das 20-fache eines Sachbearbeitergehaltes bekommen darf? Dies mag einem abstrakten Bedürfnis nach Gleichheit und Gerechtigkeit entgegenkommen. Aber es würde auch einen Exodus des Firmenführungsfachpersonals zur Folge haben; die Konsequenzen für Unternehmen und Mitarbeiter in Deutschland wären unabsehbar.

Doch warum hier aufhören? Auch andere verdienen Gehälter, die Menschen grün vor Neid werden lassen könnten. Nachdem sich der Staatsrat mit Deutschlands Manager befasst hat, könnte er seine Aufmerksam den fantastischen Einkommen zuwenden, die Pop Stars, Schauspieler oder Fußballstars kassieren – oder auch anderen, denen ein „exzessives“ Einkommen zugeschrieben wird. Mein Fazit: Wer Freiheit will, muss Ungleichheit ertragen – auch bei den Einkommen.

Auch ich räume ein, dass es Abfindungsregelungen und Verträge gibt, die nicht in Einklang mit den Leistungen von Managern zu stehen scheinen und deshalb exzessiv wirken. Aber es ist nicht der Staat, der darüber zu entscheiden hat. Vielmehr ist das Sache der Eigentümer. In der Debatte über Bezüge von Topmanagern muss sicher stärker über Aktionärsrechte gesprochen werden und aktive Aktionäre, die Exzesse begrenzen – insbesondere dann, wenn Manager hohe Gehälter kassieren, ohne Großes zu leisten. Nicht jede hoch bezahlte Führungskraft ist ein Wendelin Wiedeking.

Deutschland ist möglicherweise gut beraten, die Beispiele anderer Länder zu studieren – beispielsweise das Großbritanniens. Im Vereinigten Königreich müssen Vorstände öffentlich notierter Gesellschaften umfassende Berichte über ihre Gehälter, Pensionen und Aktienoptionen veröffentlichen und sich damit bei Hauptversammlungen zur Abstimmung stellen. Das geht weit über die Empfehlungen der Corporate Governance-Kommission in Deutschland hinaus.

Neuregelungen hierzulande sollten jedoch mit Augenmaß geschehen. Die Steuerstatistik zeigt, dass die obersten zehn Prozent der Steuerzahler bereits jetzt rund die Hälfte des staatlichen Einkommensteueraufkommens bestreiten. Die untere Hälfte der steuerpflichtigen Bevölkerung, die ein Einkommen von bis zu 27 200 Euro hat, trägt nur 7,5 Prozent des Aufkommens bei. Wer solche Zahlen vor Augen hat, muss eigentlich jedem Besserverdiener dankbar sein, der in Deutschland bleibt und Steuern zahlt.

Oswald Metzger, Jahrgang 1954, war von1994 bis 2002 Bundestagsabgeordneter und Haushaltsexperte der Fraktion B90/Die Grünen. Oswald Metzger war von 1994 bis 2002 Haushaltsexperte der Grünen im Bundestag. Er ist Berater des deutschen Think Tanks Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

English Version

English Version

MONDAY, JANUARY 14, 2008 EDITORIALS & OPINION THE WALL STREET JOURNAL.

State of the Union / By Oswald Metzger

Social Envy

Berlin – With key state elections scheduled for the next few weeks and months, Germany’s mainstream parties are facing some fierce competition from the Left Party, an amalgam of East German post-Communists and disgruntled Social Democrats from the West. Their socialist populism has proved so infectious that even established parties are pandering to feelings of social envy to attract voters. Some Christian Democrats and Social Democrats now find unity in their calls for government caps on “excessive” manager salaries.

This manager-bashing is reminiscent of the “locust” debate in 2005. During the federal election campaign back then, some Social Democrats attacked private equity firms as an insect plague, bewailing the alleged sellout of corporate Germany. The current debate about manager salaries is again stirring up anticapitalist clichés, fueling public mistrust of “big business” as generally irresponsible and exploitative.

Since this campaign is in effect targeting a small group of fewer than 100 top managers, party tacticians may think this is a no-risk venture. In terms of lost manager votes, this may be true. But for the country as a whole, this debate is rather dangerous. It moves Germany to the left, hardening the public against further reforms at a time when global competition may make it necessary to lower taxes or break down barriers on the job market.

Leaving aside for a moment whether the charge of “excessive” pay could be justified in individual cases, the debate stigmatizes an entire group key to Germany’s economic success. While the CEOs of the DAX 30 companies earned OE3.42 million on average in 2006, according to a survey by the German Private Investor Association, this is not representative of Germany’s corporate sector. Most managers make far less but are still being tarnished as “money grabbers.”

More than 90% of all companies are medium-size enterprises where CEOs earn on average only OE260,000 a year, according to Kienbaum Consultants. The heads of smaller companies make even less, about OE160,000.

No doubt, even these kinds of salaries may still be capable of inspiring envy. However, we are already getting close to the income levels of those very politicians who cynically condemn manager salaries across the board as “immoral.”

Much criticism has also been poured on “excessive” severance payments. So let’s look for a moment at the retirement provisions for politicians. Government ministers are entitled to a pension after only 21 months in office. After 22 years of service, the pension can reach OE9,168 a month, according to the German Association of Taxpayers. An average worker in Germany, though, would have to pay 352 years into the statutory pension system to get this kind of money.

One may quite rightly question whether any average wage earner could do the job of a government minister, or indeed a member of parliament. However, it is also right to question whether a top manager can be compared with an average wage earner. Take Porsche CEO Wendelin Wiedeking, who has steered the once struggling auto maker back to the road of success. The company is doing so well that the men and women on the production line received a bonus of OE5,200 last year. Porsche employees obviously have no problem with their CEO’s paycheck. “We once used to have very inexpensive board of directors. They were so inexpensive that the company almost went broke,” Porsche Works Council Chief Uwe Hück said last month.

If only the political class in Berlin had such trust in the capitalist system of incentives. But how much more than a clerical worker is a top manager allowed to earn? Are we going to set up a new government advisory body to determine this? Let’s say this hypothetical government body decided that a top manager may not earn more than 20 times the salary of a clerical worker. This may satisfy some abstract sense of “justice” and “equity.” But it would also immediately trigger an exodus of top managers—and the consequences for companies and their employees in Germany would be incalculable.

But why stop there? There are plenty of salaries that could make people green with envy. Once it has taken care of Germany’s managers, this advisory body could turn its attention to the fantastic incomes pocketed by pop stars, actors or soccer players—or anyone else they may deem to earn an “excessive” salary. If you want freedom, though, you have to tolerate income inequality.

There are certainly remuneration packages and contracts that do not seem to correspond to the manager’s actual achievements and thus seem excessive. But it is not the government’s business to decide that. The manager’s salary is ultimately for the owner to set. No doubt, there is room in Germany to improve shareholder rights to prevent managers from pocketing high salaries without doing much in return. Not every highpaid executive is a Wendelin Wiedeking.

Germany could do worse than study the examples in other countries, not least those in the Anglo-Saxon world. In the U.K., for example, the boards of listed companies are required to publish comprehensive reports with details of salaries, pensions and share options. These reports have to be put to the vote at annual shareholder meetings. This by far exceeds the requirements of Germany’s corporate governance code.

However, let’s not rush toward new regulation. Statistics show that the top 10% of taxpayers already account for about half of the nation’s income- tax revenue. The lower half of the tax-paying population, with incomes of up to OE27,200, contributes only 7.5% of the national tax revenues. Anyone keeping these figures in mind would actually have to be grateful toward every high earner who remains in Germany and pays taxes.

Mr. Metzger, the Green party’s budget spokesman in the Bundestag from 1994 to 2002, left the Greens in 2007. He is a consultant to the German think tank Initiative for a New Social Market Economy (INSM).

Eine Reaktion zu “Manager-Gehälter: INSM-Berater Oswald Metzger im Wall Street Journal”

  1. rollerfebaybe

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