Studie des WZB: Was haben die Arbeitsmarktreformen gebracht?

Berlin. – „Kurs halten statt Reformen zurückzunehmen“, fordert Professor Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), am 27. April. Anlass dafür war die Vorstellung ihrer Studie „Einstiegswege in den Arbeitsmarkt“. Im Auftrag der INSM hatte das WZB die Frage untersucht, in wie weit die jüngsten Arbeitsmarktreformen neue Beschäftigungschancen gebracht haben. Fazit: Die Reformen haben die Jobchancen für die meisten Menschen verbessert – aber nicht für alle.
So sind die Arbeitsmarktchancen in Ost- und Westdeutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall erstmals nahezu gleich. Die Studie belegt auch den Sinn flexibler Arbeitsverhältnisse: Rund drei Viertel der Erwerbslosen, die zunächst eine befristete Beschäftigung aufgenommen hatten, waren auch drei Jahre später noch im Job. Und die Hälfte davon hat den Sprung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis geschafft. Auch ältere Beschäftigte zählen zu den Reformgewinnern. Ihre Erwerbsbeteiligung ist gestiegen. Allerdings: „Die bisherigen Arbeitsmarktreformen haben das Problem der Langzeiterwerbslosigkeit nicht zufriedenstellend lösen können“, so Allmendinger.
Der Wiedereinstieg von Langzeitarbeitslosen war jedoch ein zentrales Anliegen der Hartz-Reformen. Dieses Ziel sei, so Jutta Allmendinger, nicht erreicht worden. Deshalb seien weitere Reformen erforderlich.
Auch der frühere INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer forderte weitere arbeitsmarktpolitische Anstrengungen: „In seiner derzeitigen Form ist der deutsche Arbeitsmarkt nicht krisensicher. Es müssen verstärkt Anreize zur Integration von Langzeitarbeitslosen gesetzt werden, um nach der Krise schnell wieder ein hohes Beschäftigungsniveau zu erreichen.“
Allmendinger tritt nach wissenschaftlicher Auswertung der neu geschaffenen Beschäftigungsverhältnisse auch der Behauptung entgegen, dass das Mehr an Arbeitsplätzen durch qualitative Verschlechterungen der Beschäftigungsverhältnisse erkauft worden sei. „Allerdings mag hierbei auch der insgesamt positive Verlauf der Konjunktur am Ende unseres Beobachtungszeitraums dafür gesorgt haben, dass Wiedereinstiege in den Arbeitsmarkt in der Zeit nach den Hartz-Reformen nicht mit spürbaren Verschlechterungen in der Arbeitsplatzqualität verbunden waren.“
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WZB Study: what benefits did the labor market reforms yield?
Berlin. – “Stay on course rather than take back reforms”, urged Professor Jutta Allmendinger, President of the Social Science Research Center Berlin (WZB), on 27 April. The presentation of her study on “Labor market entry methods” provided the reason for this statement. On behalf of the INSM the WZB investigated whether the recent labor market reforms have opened up new employment opportunities. Conclusion: the reforms have enhanced the job prospects for the most people – yet not for everybody.
For the first time in the 20 years after the fall of the Berlin Wall, the employment outlook is just about equal in the East, and in the West. The study also proves that flexible labor conditions make sense: about three quarters of the unemployed, who had accepted temporary employment, were still employed three years later. Half of them managed to sign a permanent employment contract. The elderly employees are among the main reform beneficiaries. Their labor force participation has increased. However, “so far, labor market reforms could not adequately solve the long-term unemployment problem”, says Allmendinger.
Returning to work the long-term unemployed was a key concern of the Hartz IV reforms. According to Jutta Allmendinger, this aim has not been achieved. Therefore, further reforms are needed.
The former INSM managing director Max A. Höfer has called for further labor market efforts: “In its present form, German employment market is not crisis-proof. The incentives for integration of the long-term unemployed must be introduced, so that after the crisis a high level of employment can be achieved promptly.”
Having evaluated the scientific data on the new employment conditions, Allmendiger counters the claim that the increased number of jobs has been achieved at the expense of deterioration in the quality of employment relations. “Certainly, the overall positive development of the economy at the end of our observation period might have ensured that the labor market re-entry after the Hartz reforms was not associated with noticeable deterioration in workplace quality.”